Philips CD-Spieler der ersten Generation

Die CD ist tot - lang lebe die CD!

Hier werde ich meine 10-jährige Erfahrung mit den Philips CD-Spielern der ersten Generation vorstellen und Schritt für Schritt einen originalen CD104 in einen der besten CD-Spieler der Welt verwandeln.




Vorab

Bei meiner Arbeit gehe ich mit äußerster Akribie vor. Mein stetes Bemühen ist es, handwerkliche Perfektion zu liefern. In einem überarbeiteten Gerät finden Sie weder Flussmittelreste noch kalte Lötstellen. Auf den berühmten Philips-Schubser der CD-Lade werden Sie vergebens warten, denn die Schublade ist demontiert, gereinigt, gefettet, eingestellt und der Motorriemen ist neu.
Was Sie erwarten dürfen:

  • alle verbleibenden Lötstellen sind nachgelötet
  • alle Platinen sind schonend gereinigt
  • alle Schalter sind gereinigt und nicht-100%-funktionierende durch Neue ersetzt
  • alle Steckkontakte (Stocko Stiftwannen und Federleisten) sind durch neue Stockos ersetzt
  • der Abtast-Laser ist auf ein optimales "Eyepattern" justiert
  • das Tellerlager des Antriebsmotors ist durch ein reibungsloseres Teflonlager ersetzt
  • der Schubladenmechanismus ist gereinigt und eingestellt, der Antriebsriemen ist neu
  • die Front des Gehäuses ist demontiert und gereinigt, das Display leuchtet wie neu





1. Streich: Stromversorgung und Netzteilplatine

Mit diesem Tuning bekommt der CD104 neuen Saft. Und zwar satt gepuffert. Mindestens die 2-fache Siebkapazität für jede benötigte Spannungsversorgung und sogar die 3-fache für die wichtige 5V-Digitalspannung.
Desweiteren bekommt er eine nickelfreie Kaltgeräte-Buchse um ihn sicherer zu machen und erste technische Schwächen zu beheben. Auch werde ich das grundlegende High-End-Audiothema: Masseschleifen beheben. Die Gehäuse-Masse wird von der Signal-Masse getrennt. Das Gehäuse liegt nun an der Schutzerde der Kaltgerätebuchse.
Die alten Spannungsregler werden durch sehr gute neue von ON Semiconductor ersetzt.

  • keine Masseschleifen im Netzteil
  • Trennen der Gehäuse-Masse von der Signal-Masse
  • alle Masse-Verbindungen gelötet, nicht gesteckt
  • mindesten 2-fache Siebkapazität
  • 5V-Digitalspannung 3-fache Siebkapazität
  • inklusive neue Spannungsregler von ON Semiconductor
  • High-Grade Audio-Kondensatoren
  • High-Grade Audio-Dioden
  • inklusive Furutech Kaltgerätebuchse
  • als Selbstbau-Kit mit Anleitung, hier ein kleiner Ausschnitt
  • oder betriebsbereit eingebaut

Preise
Selbstbau-Kit
EUR 150,-
betriebsbereit
EUR 300,-





2. Streich: Laserprint

Hier geht es jetzt um ein ganz anderes Ende, bzw. um den Anfang des digitalen Signals! Auf der Laserplatine befindet sich zum Einen die Ansteuerung der Laserdiode, die so konstant als irgendmöglich immer gleich viel Licht abgeben muss, und zum anderen die Verstärkung des durch Interferenz gewonnenen Abtastsignals. Dieses spaltet sich auf in den eigentlichen Datenstrom der später zum digitalen Signal demoduliert wird und in die Spur-, Fokus- und Motorinformation, die durch die Servosteuerung ausgewertet werden. Eine schöne Zusammenfassung der Komplexität dieser Vorgänge findet sich auf Wikipedia oder noch genauer hier.
Am Laufwerk wird beim Tausch der Laserplatine dann auch gleich die Tellerwelle gereinigt und das Tellerlager durch Teflon ersetzt. Wenn Sie "betriebsbereit" ordern, ist das Reinigen der inneren Laserlinsen inklusive. Diese Reinigung ist nötig, da in 35 Jahren so einiges durch den Spalt der beweglichen Fokussierlinse nach unten vorbei fällt. Ebenso wird das Azimut des Laserstocks (RAFOC-Einheit) auf exakt 90° und sein axiales Lagerspiel eingestellt.

  • getrennte Masseleitung für Laser und HF-Signal
  • Präzisions Trimmpotentiometer für die Laserspannung
  • Korrektur der ursprünglichen Schaltung bezüglich Spannungsversorgung
  • 3-fache Siebkapazität eben dieser Spannungen
  • besserer Operationsverstärker für die Servosignale
  • High-Grade Audio-Kondensatoren
  • rauscharme Transistoren und Widerstände für die HF-Verstärkung
  • Teflonlager für den Plattenteller
  • als Selbstbau-Kit mit Anleitung, hier ein kleiner Ausschnitt
  • oder betriebsbereit eingebaut inkl. Reinigung der inneren Laserlinsen
    und Einstellung des Azimut

Preise
Selbstbau-Kit
EUR 150,-
betriebsbereit
EUR 350,-





3. Streich: Servoplatine und Ausgangsstufe

Der Servo hat es in sich! Die Schaltung ist einigermaßen komplex und spätestens hier stellt sich die Frage: warum neue Platinen? Das hat aus meiner Sicht mindestens drei gute Gründe.
Zum einen sind die Prints je nach den äußeren Umständen der letzten 35 Jahre zum Teil in einem erbärmlichen Zustand. In so manchem Gerät lösen sich die Lötaugen bereits beim Hinschauen und die Kupferseite entwickelt sich tendenziell zum Halbleiter. Sie dämmern quasi dem sicheren Tod entgegen. Das heute gebräuchliche Platinenmaterial verspricht da locker weitere 35 Jahre.
Zum anderen klingt jedes Bauteil in einem High-End-Gerät mit! Egal wo es sich befindet. Das macht auch Sinn, denn es gibt ja nur eine Masse, und die Versorgungsspannungen teilt sich die Ausgangsstufe mit dem Servo und allen anderen Baugruppen. Um alle nicht optimal klingenden Bauteile (zum Beispiel Keramikkondensatoren) loszuwerden, ist viel Lötarbeit angesagt. Oder gleich neue Platinen!
Der dritte Grund sind die mögliche höhere Integration der Schaltung, die Platz ergibt für weitere Bauteile. Zum Beispiel um die Versorgungsspannungen zu stabilisieren. Und auf dem Servoboard ist jetzt Platz für die neue Ausgangsstufe.
Es gibt noch einen vierten Grund, der später klar werden wird.

  • getrennte Masseleitungen für Servo und Ausgangsstufe
  • Siebkapazität satt für die Versorgungsspannungen der ICs
  • ultraschnelle WIMA FKP-Kondensatoren um die digitalen
    Komponenten zu entkoppeln
  • High-Grade Audio-Kondensatoren und Widerstände
  • Platine im Bereich der Ausgangsstufe ohne Löt-Stopplack
  • Ausgangsstufe mit High-End Opamps
  • Rhopoint Wire-Wound Widerstand in der I/V-Stufe
  • inkl. Rike-Audio S-Cap Koppelkondensator
  • als Selbstbau-Kit mit Anleitung
  • oder betriebsbereit eingebaut

Preise
Selbstbau-Kit
EUR 350,-
betriebsbereit
EUR 600,-
optional 2x WBT
Cinch-Buchse
nextgen Ag
+ EUR 90,-





4. Streich: Decoderplatine

Auf der Decoderplatine wird das HF-Abtastsignal "demoduliert" und in ein Format gebracht, das in einem DAC in ein analoges Signal gewandelt werden kann. Vorher passiert es noch eine Fehlerkorrektur mit angehängtem kleinen Datenspeicher, indem auch das Signal für die Motordrehzahl erzeugt wird.
Wie der Name vermuten lässt, finden auf der Decoderplatine viele digitale Prozesse statt. Diese haben ganz spezifische Anforderungen an die Spannungsversorgung. Da digitale Impulse sehr steilflankig sind, kommt es bei ungenügender Entkopplung unweigerlich zu Einbrüchen der Versorgungsspannungen. Deshalb habe ich für jedes IC und die zugehörigen Betriebsspannungen PowerPacks installiert.
Diesen PowerPack gibt es natürlich auch für die neue ultragenaue jitterarme TentLabs Masterclock mit ihrer separaten Spannungsversorgung.
Bevor die digitalen Signale in die DACs TDA1540 gelangen, passieren sie eine Schaltung, um sie um 50% abzuschwächen. Abschwächen hört sich erst mal negativ an, aber diese (im Original nicht vorhandene) Schaltung bewirkt ein deutlich stressfreieres Klangbild, da die Übersprechung im DAC vom digitalen in den analogen Teil ganz deutlich reduziert ist.
Das IC für die -18V Referenzspannung für die TDA1540 habe ich von der Netzteilplatine auf die Decoderplatine in die Nähe der Verbraucher verlegt. Ebenso kommen die +5V-Digitalspannung für die DACs auf einer separaten Leitung auf die Platine.
Alle Bauteile links / rechts sind selektiert, um eine möglichst hohe Kanalgleichheit zu gewähren.
Der Oversampling-Chip SAA7030 findet auf dieser Platine natürlich keinen Platz, der Spieler arbeitet im Non-Oversampling-Betrieb.

  • getrennte Masseleitungen für Decoder und DACs
  • PowerPacks für alle Versorgungsspannungen aller ICs
  • High-Grade Audio-Kondensatoren und Widerstände
  • Platine im Bereich der DACs ohne Löt-Stopplack
  • Attenuation für die digitalen Signale der DACs
  • ab DAC alle Bauteile kanal-selektiert
  • -18V-Versorgungsspannung auf Decoderplatine
  • ultragenau jitterarme TentLabs Masterclock
  • NOS: Non-Oversampling Mode
  • als Selbstbau-Kit mit Anleitung
  • oder betriebsbereit eingebaut

Preise
Selbstbau-Kit
EUR 300,-
betriebsbereit
EUR 500,-

alle 4 auf einen
Streich eingebaut
EUR 1.700,-





5. Streich: Gleichspannungs-Netzfilter

Auf das Thema Gleichspannung im Stromnetz bin ich im Zuge eines Phono-Projektes gestoßen. Tatsächlich ist unsere Netzspannung in den wenigsten Fällen eine reine Wechselspannung. Bestimmte Verbraucher erzeugen eine Verschiebung des Nullpunktes, sodass ein Gleichstromanteil bei angeschlossenem Gerät fließt. Bestes Beispiel ist ein Haarfön auf "Stufe 1". Dieser hat zur Drosselung auf die halbe Leistung eine Diode eingebaut, die nur eine Halbwelle durchlässt. Das Blöde ist, dass ein Trafo Gleichspannung bzw. Gleichstrom gar nicht mag. Denn dieser magnetisiert natürlich das Eisen. Bei knapper Auslegung bzw. bei hohem Gleichspannungsanteil kommt er in die Sättigung, was sich mit sporadisch brummendem Trafo bemerkbar macht. Dann ist es im High-End Audio eh schon lange zu spät. Abhilfe schafft ein Kondensator mit genügend Kapazität, der in Serie(!) in eine der Versorgungsleitungen eingeschleift wird. Ob das Phase oder Null-Leiter ist, spielt keine Rolle. Der "Koppel-Kondensator" lässt keinerlei Gleichstrom durch. Manche Anbieter benutzen parallel zum Elko noch einen hochwertigen Folienkondensator. Diesen lasse ich weg, denn Hochfrequenz darf der Elko gerne abblocken!

  • 3.100 μF Kapazität: Sapnnungsabfall am Kondensator ca. 0,15 V
  • sechs antiparallele Dioden sorgen für einen großzügigen Arbeitsbereich
  • Gerätesicherung auf der Platine
  • als Selbstbau-Kit mit Anleitung
  • oder betriebsbereit eingebaut

Preise
Selbstbau-Kit
EUR 50,-
betriebsbereit
EUR 50,-


Links rund um's Thema Philips CD-Spieler:

Hier das original CD 104 Service Manual. (Achtung 5,5MB)

Mike Leach hat mit Servicing the Philips CD 104 eine schöne Sammlung an nützlichen Tipps für die Fehlersuche erstellt. (Achtung 2,8MB)

nanocamp bietet Infos zum Thema "Service Laufwerk CDM-1".

René Vos (CD-94 blog) hat eine Historie zum CDM-1 Laufwerk zusammen gestellt.






CD - Tweaks

An manchen Dingen bleibt man hängen. Im High-End, wie auch sonst im Leben ist das ein deutliches Zeichen, dass etwas funktioniert. Hier einige Möglichkeiten für besseren CD-Klang:

CD-Waschmaschine

CDs sind sauber, frisch gekauft ... oder doch nicht? Seit Jahren benutze ich den CD-Wascher "Hydrobath 1120". Hier ein kleines Youtube-Video, wie dieser funktioniert.

CD-Rand schwärzen

Alles was man braucht ist ein schwarzer Edding 500 oder einen ähnlichen wasserfesten Stift. Wer es genau nimmt, schwärzt nicht nur den Rand, sondern auch den äußeren Bereich der CD, der nicht beschrieben ist. Diesen Bereich kann man leicht unter einer LED-Leuchte erkennen.

CD-Matte

Legt man auf die CD und ... ich benutze diese hier.

CD cryogenisieren

Cryogenisieren funktioniert nicht nur bei Metall. Auch andere Materialien "entspannen" sich bei der Tieftemperatur-Behandlung. Bei einer CD, die ja "optisch" gelesen wird und deshalb auch die Lichtbrechung im Medium bedeutsam ist, bringt das eindeutig nachvollziehbare Ergebnisse. Wer's nicht glaubt, dem cryogenisiert George Forester eine Probe-CD. Einfach zwei identische CDs brennen und eine in die Post!

CD-Rand anfasen

Die Idee ist alt: Da die Informationen der CD per Laser und Interferenz ausgelesen werden, ist es gut, wenn möglichst wenig Streulicht diesen Ausleseprozess beeinflusst. Von Audiodesksysteme Gläss gab es mal einen CD-Anfaser, mit dem der Rand in einem bestimmten Winkel abgedreht wurde, um Streulicht zu minimieren. Das hatte auch den Vorteil, dass die CD danach "ausgewuchtet" war.

Bei meiner Recherche bin ich noch auf eine andere (und günstigere) Art der Nach-Bearbeitung gestoßen. Der Vorschlag stammt meines Wissens ursprünglich von Volker Bajorat von Clockwork Audio. Hier geht es zur Anleitung.